Forschendes Lernen

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Lehre ist das Kerngeschäft der Universität. Gemeinsam mit Forschung und im Idealfall mit ihr verbunden bestimmt die Lehre den Alltag der Wissenschaftler*innen – den der Studierenden sowieso. In kleineren praxisnahen Projekten führen Lehrende am Zentrum Geistenwissenschaften an Forschung heran und bieten Ihnen Möglichkeiten, ihre Ergebnisse zu präsentieren oder (online) zu veröffentlichen.
Das 2022-2025 vom Land Hessen finanzierte Projekt ELLVIS ermöglichte es, die mit dem Programm Starker Start ins Studium erwirkte Verbesserung der Betreuungsrelation fortzuführen. 15 Lehrende (auf 9 Vollzeitstellen) erweitern das Lehrangebot unterrichteten in den Fächern: katholische Theologie, evangelische Theologie, Religionswissenschaft, Ethnologie, Geschichtswissenschaft, Philosophie, Kunstgeschichte, Koreanistik, klassische Archäologie, Afrikanistik, neuere deutsche Literaturwissenschaft, ältere deutsche Literaturwissenschaft, Psycholinguistik sowie Kinder- und Jugendliteraturwissenschaft. Sie erteilen zusammen etwa 60 zusätzliche Lehrveranstaltungen pro Semester und ermöglichen so eine Verbesserung der Betreuungsrelation. Rund 2000 Studierende wurden mit dem Angebot erreicht. Die Lehrenden nehmen regelmäßig an hochschuldidaktischen Weiterbildungen teil und entwickeln für  ihre Lehrveranstaltungen innovative Lehrformate.

Lehrprojekte aus dem Bereich 'Forschendes Lernen'

Dr. Markus Lindner
FB 08: Institut für Ethnologie 


In dem zweisemestrigen Projektseminar (WS 18/19 und SoSe 19) wurde die Ausstellung "Plakatiert! Reflexionen des indigenen Nordamerika" entwickelt, die vom 27. Juni bis 1. Dezember 2019 im Labor des Weltkulturen Museums Frankfurt am Main zu sehen ist. Dabei werden anhand von Plakaten Themen des indigenen Nordamerika dargestellt und kontextualisiert. Zum Teil werden diese durch einzelne Sammlungsobjekte ergänzt.
Ziel des Seminars war nicht nur die gemeinsame Planung, Gestaltung und Umsetzung einer Ausstellung, sondern auch den Teilnehmer/-innen einen Einblick in die Arbeit an ethnologischen Museen zu vermitteln. Aus diesem Grund wurden in einzelne Veranstaltungen Expert*innen eingeladen (Grafiker*innen, Kustod*innen, PR-Expert*innen), die das Thema aus Ihrer Sicht darstellen.
Im ersten Teil (WS 2018/19) beschäftigten sich die Seminarteilnehmer*innen mit den Themen der Plakate (z.B. Bildung, Gesundheit, Powwow…) und trafen die endgültige Auswahl der Plakate, die aus Privatsammlungen stammen. Außerdem besuchten sie das Museums, wählten Objekte aus und schrieben gemeinsam eine Begleitpublikation. Darüber bekamen die Teilnehmer*innen auch Einblick in das Erstellen von Zeit- und Finanzpläne. Außerdem bildeten sich Gruppen von Studierenden, die für bestimmte Teile der Ausstellung(svorbereitung) verantwortlich waren. Dazu gehören bspw. die Öffentlichkeitsarbeit, das Ausstellungsmanagement, die Begleitpublikation, ein Facebook- und Instagramaccount u.a.

Der zweite Teil (SoSe 2019) schloss an den ersten Teil an. Dabei lag der Fokus auf der Ausstellungsgestaltung. Neben dem Schreiben von Ausstellungs- und Pressetexten gehörten dazu auch die genaue Raumgestaltung, der gemeinsame Ausstellungsaufbau und die Vorbereitung der Vernissage am 26.6.2019. Bis zum Ende der Ausstellung werden die Seminarteilnehmer*innen darüber hinaus in der Ausstellung aktiv sein und beispielsweise Führungen anbieten.

Das Projekt wurde vom Förderfonds Lehre der Goethe-Universität, der Dr. Marschner-Stiftung und vom Weltkulturen Museum Frankfurt am Main unterstützt.


Prof. Dr. Bernd Zegowitz & Dr. Markus Lindner

FB 10:  Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik & FB 08: Institut für Ethnologie 


„Karl Mays Reiseerzählungen und das deutsche Indianerbild“; eine virtuelle Ausstellung von Studierenden der Goethe-Universität in Kooperation mit dem Karl-May-Museum Radebeul; Konzeption: Dr. Markus Lindner, Prof. Dr. Bernd Zegowitz 

Dr. Hilja Droste & Dr. Markus Lindner
FB 09: Kunstgeschichtliches Institut & FB 08: Institut für Ethnologie

Die Wanderer. Katsinam, Tithu und Aby Warburg
Im Rahmen eines interdisziplinären Lehrprojektes unter der Leitung von Dr. Markus Lindner und Dr. Hilja Droste entstand in Kooperation mit dem Nordamerika Native Museum der Stadt Zürich (NONAM) die virtuelle Ausstellung Die Wanderer. Katsinam, Tithu und Aby Warburg.
Die Ausstellung zeigt und kontextualisiert die Hopi-Katsina-Figuren (tithu) der Sammlung Antonio und Christin Ferretti des NONAM und ist vor allem im Sommersemester 2020 von Studierenden der Kunstgeschichte und Ethnologie erarbeitet worden, was wegen der Pandemie eine besondere Leistung der war.
Foto der Teilnehmer im Lehrprojekt "Plakatiert"
Foto der Teilnehmer im Lehrprojekt "Plakatiert"
Prof. Dr. Bernd Zegowitz
FB 10:  Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik
„Schriftstellerinnen im Exil in den USA“, eine virtuelle Ausstellung von Studierenden der Goethe-Universität in Kooperation mit dem Deutschen Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt am Main; Konzeption: Dr. Sylvia Asmus, Prof. Dr. Bernd Zegowitz
Dr. Ulrike Wolf
FB 09:  Institut für Archäologische Wissenschaften

Prof. Dr. Bernd Zegowitz & Prof. Dr. Frank Estelmann Betzwieser
FB 10:  Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik & FB 10:  Institut für Romanische Sprachen und Literaturen

Wer waren die Literaturwissenschaftler, die bei der Gründung 1914 an die Universität Frankfurt am Main berufen wurden, die das akademische Leben der Stadt Frankfurt in der Weimarer Republik mitprägten, die nach 1933 in Frankfurt weiterhin Literaturwissenschaft betrieben oder die vertrieben wurden? Ein zweisemestriges interdisziplinäres Lehrforschungsseminar am Fachbereich 10 (Neuere Philologien) hat anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Universität im Jahr 2014 Antworten auf diese Fragen gesucht. Das Ergebnis ist eine virtuelle Ausstellung mit 20 Porträts.

Für unser Seminar hatten wir einen individualgeschichtlich orientierten Zugang zu denjenigen Biographien germanistischer, romanistischer und anglistischer Literaturwissenschaftler gewählt, die zumindest während eines Teils ihres persönlichen und akademischen Werdegangs in Frankfurt gelehrt und geforscht haben. Dieser Zugang wurde mit institutionsgeschichtlichen Fragestellungen verbunden. Bei der Auswahl der Wissenschaftler und der Beschäftigung mit deren intellektuellen Biographien wurden die subjektiven Interessen einzelner Teilnehmer*innen am Lehrforschungsseminar berücksichtigt. Die Art und Weise, wie schließlich die individuell erarbeiteten Wissenschaftler-Porträts angelegt wurden, beansprucht keine Repräsentativität für die intellektuellen Biographien der behandelten Wissenschaftler insgesamt. Die Porträts beleuchten schlaglichtartig signifikante Momente in den einzelnen Biographien, die mit Frankfurt in einer direkten oder indirekten Verbindung stehen. Mit der Betonung des individuell Besonderen durfte auch das Anekdotische ins Blickfeld geraten.

Eine im Vergleich zum üblichen Seminarbetrieb erhöhte Motivation der Studierenden sollte erreicht werden durch (1) die Beschäftigung mit der Geschichte der eigenen Universität, ja des eigenen Faches, (2) den lokalgeschichtlichen Bezug (viele Studierende kommen aus der näheren Umgebung Frankfurts), (3) die eigene Forschungstätigkeit (Quellen, Archiv etc.) sowie (4) die Präsentation bzw. Publikation der Forschungsergebnisse im Rahmen des Universitätsjubiläums. 


Prof. Dr. Bernd Zegowitz & Prof. Dr. Thomas Betzwieser
FB 10:  Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik & FB 09:  Institut für Musikwissenschaften

Die vorliegende Ausstellungsseite ist das Resultat des Seminars „Musik und Theater ausstellen – die Frankfurter Sammlung Manskopf als virtuelles Museum“. Im Vordergrund der Lehrveranstaltung stand die Frage, wie Musik und Theater in einer Ausstellung präsentiert werden können. Diskutiert wurden – auch unter Hinzuziehung externer Expertise – kuratorische Fragen im Kontext ‚Musikausstellungen'. Neben der Diskussion theoretischer Fragen war das Erarbeiten einer eigenen kleinen Ausstellung die zweite Aufgabe des Seminars. Aufgrund der begrenzten Ressourcen kam eine ‚richtige' Ausstellung, d.h. eine klassische Vitrinenpräsentation nicht in Frage. Insofern war der virtuelle Raum für die Präsentation konzeptionelle Vorgabe. 

Präjudiziert war die zu kreierende Ausstellung zum einen durch die in der Universitätsbibliothek aufbewahrte Sammlung Manskopf, die thematisch ganz auf Musik und Theater ausgerichtet ist. Zum anderen galt das Augenmerk einem besonderen Segment dieser Sammlung, nämlich den Beständen zum Komponisten Richard Strauss (1864-1949).
Unser  Ausstellungsprojekt war also von zwei verschiedenen Seiten her zu konturieren. Der Musikaliensammler und Museumsdirektor Friedrich Nicolas Manskopf war eine der schillerndsten Figuren im Frankfurter Kulturleben zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er initiierte und installierte ein „Musikhistorisches Museum“, das mehr als 40.000 Exponate zu den Bereichen  Musik und Theater umfasste, das Manskopf zu Beginn in seinen Privaträumen beherbergte. Seit den frühen 1910er Jahren verfolgte Manskopf ein weiteres ehrgeiziges Ziel, nämlich ein dem Komponisten Richard Strauss exklusiv gewidmetes Museum zu errichten. Dieses Vorhaben wurde indes nie realisiert. An Exponaten mangelte es Manskopf nicht: Seine  Hinterlassenschaft umfasst ca. 900 Exponate zur Strauss: Szenenfotos, Bühnenbilder, Musikalien, Textbücher, Briefe, Memorabilia und Kurioses. Vor diesem Hintergrund erschien es ebenso reizvoll, der Frage nachzugehen, wie dieses Museum ausgesehen haben könnte.

Die Strauss-Bestände in der Manskopf'schen Sammlung der Universitätsbibliothek bildeten also den Ausgangspunkt für unser Projekt mit den Studierenden. Sichtung und vor allem Auswahl war zunächst oberstes Gebot! Ein besonderer Fokus wurde auf das Verhältnis Manskopf-Strauss gelegt. Es ging nicht nur darum, Gegenstände der Sammlung zu präsentieren, sondern auch die Beziehung zwischen Sammler und Objekt/Komponist zu befragen, im besten Fall die ausgewählten Objekte dazu  sprechen' zu lassen; dies betrifft insbesondere die Briefe. 

Die zu präsentierenden Objekte wurden schließlich in fünf Bereiche eingeteilt, einerseits um die Bandbreite der Zeugnisse zu dokumentieren, andererseits um den spezifischen Vorkenntnissen der Studierenden Rechnung zu tragen: Briefe, Karikaturen, Bühnenbild- und Kostümmodelle, Szenen- und Rollenfotos sowie Plakate. Angereichert werden diese Felder um drei weitere thematische Blöcke: zur Sammlung, zur Biographie Manskopfs und eben zum Verhältnis Strauss -Manskopf, letzteres in Form einer Zeitachse. Aufgrund der Quellenfülle zum Rosenkavalier haben wir entschieden, diesem Werk exemplarisch ein eigenes Narrativ in Gestalt einer größeren textlichen und bildlichen Verknüpfung einzuräumen.

Ein Diskussionspunkt innerhalb des Seminars war die Verwendung von Audiozeugnissen im Rahmen einer Musikausstellung. Obwohl gerade eine virtuelle Ausstellung zu einer Implementierung der akustischen Ebene gleichsam einlädt, haben wir  letztlich aus konzeptionellen wie urheberrechtlichen Gründen entschieden, auf Audio-Beispiele zu verzichten.


Dr. Hilja Droste
FB 09:  Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik

USE - Universität Studieren Erforschen

Logo des Projekts USE
Die Universität als Ort und als Gegenstand von Forschung in der Lehre - ein fachübergreifendes Lehrforschungsprojekt zur Hundertjahrfeier der Goethe-Universität

USE wollte Lehre sichtbar machen, indem es Lehrenden und Studierenden die Gelegenheit gab, ihre Arbeit und ihre Ergebnisse auf dem Studienkongress UNIversal am 15. Juli 2014 zu präsentieren und online zu publizieren. 

Das Akronym USE diente hierbei nicht nur als Kurzbezeichnung des Projekts, sondern drückt in seiner deutschen Bedeutung „Nutzen“ auch dessen Zielsetzung aus. Denn studentische Arbeiten wurden nicht mehr nur ausschließlich für die Dozent*innen geschrieben und Dozent*innen lehrten nicht mehr nur für einen exklusiven Kreis, sondern beiden Gruppen bot sich durch die Teilnahme an USE Möglichkeiten ihre Erkenntnisse und Arbeitsweisen einem breiten inner- und außeruniversitären Publikum vorzustellen.
Lehrende sollten mit ihren Studierenden und Beschäftigten, Gebäuden und Grünflächen, Institutionen und sonstigen Gegebenheiten mit den jeweiligen Methoden und Fragestellungen des Faches in curricularen Lehrveranstaltungen betrachten und erforschen.

Die im USE entstandenen Projekte und Lehrveranstaltungen finden Sie auf der Seite USE- Projekte und Lehrveranstaltungen